Lässt die zunehmende Marktkonzentration überhaupt noch Platz für Einzelkämpfer?Rückschau auf die Podiumsdiskussion auf dem Spectaris Trendforum 21/22

Münster, den 15. November 2021 – Über das Geschäftsmodell der Zukunft diskutierten am vergangenen Montag fünf Vertreter der Augenoptikbranche mit Moderator David Friederichs, Chefredakteur der DOZ. Zu der Podiumsdiskussion im Rahmen des diesjährigen Spectaris Trendforums hatten sich nicht nur zahlreiche interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer vor Ort in der Classic Remise in Berlin zusammengefunden, sondern auch digital dazugeschaltet.

Teilnehmer des spannenden, teilweise durchaus kontroversen Gesprächs waren neben Branchenkenner und klein, aber fein-Geschäftsführer Dieter Meis auch Augenoptikermeisterin und Bloggerin Eva Trummer, die seit 2014 Inhaberin der Optikmeisterei in Erlangen ist, zudem Dr. Mirko Caspar, seit 2011 einer der Geschäftsführer von Mister Spex und dort u.a. verantwortlich für die Bereiche Marketing, CRM, Customer Experience, PR & Produktmanagement, außerdem Micha S. Siebenhandl, der nach Stationen bei Marchon und Rodenstock seit 2020 CEO bei Pro Optik ist, sowie Thomas Heimbach, der die Runde als Vertreter des ZVA und Geschäftsführer der Blickfelder GmbH komplettierte.

Grundlage der Diskussion stelle die Frage, ob die zunehmende Marktkonzentration überhaupt noch Platz für Einzelkämpfer lasse. Eingeläutet wurde die Runde von DOZ-Geschäftsführer Stephan Schenk, der zunächst die jüngsten, allerdings aus dem Jahr 2019 stammenden Branchendaten des Statistischen Bundesamtes vorstellte: So zeigte sich anhand der vorgelegten Zahlen ein deutlicher Rückgang der kleinen augenoptischen Betriebe* um -22% seit 2010, gleichzeitig aber auch ein nicht unerhebliches Wachstum der mittelgroßen Betriebe** um +28% sowie der großen Betriebe*** um ganze +106%. Ausgedrückt in Marktanteilen bedeutet dies, dass die kleinen Betriebe -15% ihres Marktanteils eingebüßt haben (von 37% der Marktanteile in 2010 auf 22% in 2019), während die Anteile der mittleren Betriebe in den vergangenen zehn Jahren relativ konstant bei 52% geblieben sind und die großen Betriebe sogar um +15% zulegen konnten (von einem Marktanteil von 11% in 2010 auf 26% in 2019). Zahlen also, die einmal mehr verdeutlichen, dass sich die Branche in einem spannenden Strukturwandel befindet.

Die beiden Kernthemen der Diskussion drehten sich zum einen um die Personalakquise, die aufgrund der insgesamt sehr angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt in Zukunft noch mehr neue und innovative Ansätze verlangen wird. So forderte beispielsweise Micha Siebenhandl ein „Feuerwerk für die Mitarbeiter“, das der Arbeitgeber jeden Monat zünden müsse, um gutes Personal langfristig zu binden. Dies könne sich neben klassischen Gratifikationsansätzen beispielsweise auch in Form von Sachleistungen oder dem erhöhten Augenmerk auf der persönlichen Work-Life-Balance äußern.

Das zweite, noch viel wichtigere Thema des Vormittags waren zum anderen die verschiedenen Ansätze zur erfolgreichen Positionierung am Markt. So plädierten Eva Trummer und Dieter Meis etwa dafür, die Individualität kleiner Betriebe und das „Anderssein als die großen Wettbewerber“ als Stärke zu verstehen. Nur so ließe sich die eigene Nische im Wettbewerbsumfeld finden und langfristig erfolgreich besetzen – ein Gegenentwurf zum Vorgehen vieler großer Ketten wie etwa Pro Optik, wo auf absolute Konformität der Franchisenehmer gesetzt wird. Großunternehmen wie Fielmann oder Mister Spex seien naturgemäß deutlich umsatz- und stückzahlengetriebener als kleine Betriebe, so Meis, und so könnten wichtige Themen wie die hochqualifizierte Augenoptik, die nachhaltige Zusammenarbeit mit den lokalen Augenärzten oder auch die Optometrie, wie sie bei klein, aber fein in 2022 etwa eine wichtige Rolle spielen soll, aus Mangel an Zeit und oftmals auch an Qualifikation gar nicht bedient werden.

Nachhaltigkeit, Einfachheit, Ehrlichkeit – für diese Schlagworte warb Dieter Meis, um traditionelle Betriebe langfristig am Markt zu halten und weiterzubringen. Dann brauche niemand vor der Zukunft Angst zu haben.

* bis 0,5 Mio. € Umsatz netto          ** 0,5 – 5 Mio. € Umsatz netto          *** über 5 Mio. € Umsatz netto